15. Back to Perth

Die letzten Tage wollten wir es nochmal warm. Also ab nach Norden. Von Esperance über Haydn mit seinem berühmten, fotogenen, aber live wenig beeindruckenden Wave-Rock bis 50 km nördlich von Perth in den Yanchep Nationalpark gebraust. Ein kleinerer Naturpark, schön ruhig, günstig und zumindest an einem von den drei Tagen war es auch super heiß. Highlight waren hier die vielen tollen Vögel (und ja, es gab natürlich auch Kängurus und Koalas): grüne Papageien und kleine rote Piepmätze und ganze Schwärme plärrender schwarzer Kakadus. Motivation für ein kleines Gedicht ...

Ich sitze hier und schwitze und über mir im Baum machen Kakadus ihre Witze

Im Yanchep gab es auch eine super Gaststätte alt-englischer Art (mit lecker britischem Pub-Essen und Pool-Tisch und Star Wars Flipper und Biergarten und tollem Service – super!).

Yvonne und Luke durften sich in Australien eh mal etwas intensiver mit den englischen Kulinarik vertraut machen, die hier überall gibt: Fish & Chips satt, Pie´s in allen Varianten, Devonshire Tea (Scones mit clotted Cream), Salt & Vinegar Chips, Jelly Babies und was nicht noch.

Im Yanchep gab es auch eine Aborigine-Tour, die Kultur und Lebensweise der Ureinwohner Australiens vermitteln sollte. Leider nur Sonntags. Schade, hätte uns sehr interessiert, da mehr zu erfahren. Die Aborigines sind jedenfalls (neben den ganzen giftigen Tieren) Australiens "Problem". Mit verfehlter Siedlungspolitik haben die Australier in wenigen Generationen eine über rund 50.000 Jahre alte Kultur zerstört. Heute leben Aborigines teilweise und nur halbwegs angepasst in der australischen Gesellschaft. Viele haben den Sprung dahin aber nicht geschafft und verwahrlosen am Rande der Gesellschaft. In die alte Kultur wollen offenbar nur wenige zurück. Dafür scheint kein Platz mehr zu sein. Schon krass anzusehen, was da altes-kostbares ZACK irreparabel kaputt gemacht wurde.

Grusel-Highlight im Yanchep war die nächtliche Begegnung mit einer (wahrscheinlich sehr sehr schlimm giftigen) Schlange auf unserem Nachhauseweg durch den stockfinsteren Busch. Wir wurden vom örtlichen Ranger vorgewarnt, dass es hier aktuell viele dieser üblen Schlangen gibt. Zum Glück gab es den Umweg über die ebenfalls stockfinstere Straße, den wir gerne genommen haben.

Dann Sachen packen, Gasflasche auffüllen, Lukes Kindersitz im Kaufhaus zurücktauschen, Wagen abgeben (immer noch mit Maus, was im Protokoll unter Lachen der Angestellten festgehalten wurde) und wieder in unser Perth´er Airbnb Zimmer einchecken.

Dann noch einen Tag auf der autofreien Rottnest Island. Yvonne war ganz scharf darauf, sich die niedlichen Quokkas (Mini-Känguru-Beutelratten) anzuschauen. In Reiseführern und Foren und so gab´s überall Fotos mit scheinbar GRINSENDEN Quokkas. Bei uns grinsten sie leider nicht. Deshalb gibt´s hier auch keine Selfies mit Quokka. Wir hatten dann aber eine schöne Fahrradtour über die Insel. Das funktioniert mit Luke auch echt besser, als Wanderungen. Selbst wenn man die Wanderung als Abenteuer mit Schatzsuche verpackt, was wir häufig getan haben.

Grusel-Highlight auf unserem Tagesausflug per Boot war ein irakischer Frachter, der im Hafen von Perth ankerte. Die Ladung: Schafe. Ein riesiger, rostiger Kahn, der auf fünf Decks vollbeladen war mit dicht-an-dicht stehenden Schafen. Sicher einige Tausend. Wir lustigen Tagesausflügler sind irgendwie beschämt an diesem Horrordampfer vorbeigefahren. Schon Hardcore, was wir in unserer globalen Nahrungskette so alles übles veranstalten.

Wir erfuhren von dem die Fahrt mit Fakten kommentierenden Mädel auch nichts weiter zu dem Boot, wohl aber, dass Perth die isoliertestes Großstadt der Welt ist. Die nächste Großstadt (Adelaide) ist über 2.000 km entfernt. Perth nach Berlin sind 13.500 km. Und von Berlin bis zum Nordpol sind´s wie viel? Läppische 4.100 km. In Sydney waren wir übrigens in der von Berlin am weitestet entfernten Großstadt (16.100 km). Hach, Fakten sind doch super.

Nach Tausenden Kilometern durch Australien, geht´s heute wieder in den Flieger und via London ZACK zurück ins immer noch kalte Berlin. Eine lange kurzweilige Reise auf der wir auch viel NICHT gemacht haben. Was man sich halt vor einer Reise so vornimmt …

Total viele kreative Natursachen mit Luke machen!

Wir hatten dutzende Bastel- und Outdoor-Spielideen rausgesucht, die nie zum Zuge kamen. Wir waren dafür viel zu viel unterwegs und wenn mal nicht, wollte Luke lieber auf Spielplätze (mein Gott, waren wir auf vielen Spielplätzen!) und Autos-und-Tiere-spielen und auf den langen Fahrten gab´s Uno und Uno und Uno und Uno und Uno und Uno und Singen und Memory und Benjamin Blümchen.

Im australischen Busch romantisch am Lagerfeuer sitzen! Pustekuchen! Das gab´s nur einmal und zwar direkt am Anfang.

Endlich mal den ganz-ganz-dicken Roman lesen (Marcus) und ganz viel Englisch lernen (Yvonne)! Auch dies aus vielen Gründen zu kurz gekommen.

Ganz viel baden & schnorcheln! Zu kalt, zu windig, zu gefährlich und Kombinationen daraus.

Aber hey, nice war´s trotzdem! Sehr nice. Und auch trotz der vielen potentiellen Gefahren sehr zu empfehlen. Laut Statistik sterben wohl nur 2 Personen pro Jahr an einem Schlangenbiss. Aber die Warnlampen sollten hier schon eher auf "Obacht" eingestellt sein. Richtig gefährlich waren hier eigentlich nur Stürze (Luke aufm Spielplatz und Papa beim hopsen auf einen Baumstamm) und die gesetzlich vorgeschriebene Anschnallsituation in unserem Fahrzeug. Die hinten Sitzenden (meist Luke und Yvonne) hatten nämlich nur einen läppischen Baugurt und wären bei einem Unfall -- man möchte sich das nicht vorstellen ... jedenfalls dürfen Kinder gegen hohe Strafe nicht vorne sitzen, obwohl es da sicherer erschien.

Aber jetzt freuen wir uns auf Zuhause und unsere Familie, Freunde, Nachbarn, Kita, Sport, gesundes Essen, Spielzeug, Kino, Arbeit ... und darauf, wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. Denn ein alter Camper ist zwar nice, aber die dünnen Schlafmatten und das ständige Rumgeholper sind nicht die besten Freunde eines entspannten Rückens.

Wir sehen uns. Bis dann!

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